Saison 2010

Hoistener Radler setzen auf Kontinuität

Der Leiter der Radsportabteilung der DJK Germania Hoisten, Wolfgang Olbrich, konnte auf der Jahreshauptversammlung der Abteilung fast alle seine aktiven Mitglieder begrüßen. Besonders erfreut war er, und wertete es als ein Zeichen der Wertschätzung, dass es sich der 1. Vorsitzende der DJK Germania Hoisten Wilfried Bongartz nicht hatte nehmen lassen, der Einladung zu folgen und an der Versammlung teil zu nehmen. In seinem Rechenschaftsbericht stellte Wolfgang Olbrich fest, dass im vierten Jahr des Bestehens der Gruppe den zwei Abgänge auch zwei Zugänge gegenüberstanden, sodass sich die Mitgliederzahl auf 30 Aktiven stabilisiert hat. Besonders beeindruckt hatte ihn auch wieder der kameradschaftliche Zusammenhalt innerhalb der Gruppe, aber auch innerhalb des Vereins. So waren die Hoistener Radler auch im letzten Jahr wieder mit vollem Eifer beim Kellnern und Zapfen dabei, als der Hauptverein als Ausrichter zweier größere Veranstaltungen Unterstützung benötigte. Selbstverständlich werde man auch in diesem Jahr hier die Unterstützung wieder anbieten. Als gesellige Aktivitäten standen im Vorjahr das An- und Abfahren mit einem anschließenden gemütlichen Beisammensein, der gemeinsame Besuch der Tour de Neuss und ein Brunch mit den gesamten Familien auf dem Programm. Für die Organisation galt der Dank dem Vergnügungswart Christoph Jansen.

big063805a0cd11178034Die sportliche Bilanz zog Sportwart Norbert Klerings, der als Höhepunkt des Jahres das gemeinsame Radwochenende im Sauerland hervor hob. Den Schwerpunkt bildeten die allwöchentlichen Trainingseinheiten, die regen Zuspruch gefunden hatte. Allerdings war die Beteiligung an den verschiedenen RTF´s diesmal etwas geringer ausgefallen wie in den Vorjahren, was Anlass gab für eine regere Teilnahme in diesem Jahr zu werben.

Der vom Kassierer Manfred Helten vorgelegte Kassenbericht wies einen nicht unerheblichen Überschuss aus, was von allen Beteiligten mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen wurde. Nachdem Kassenprüfer Marcus Baumgarth eine ordnungsgemäße Kassenführung attestiert hatte, wurde auf seinen Antrag hin der Vorstand einstimmig entlastet.
Mit einem für einen Kassierer ungewöhnlichen Antrag überraschte Manfred Helten die anwesenden Mitglieder. Aufgrund der Kassenlage und die Aussicht keine größeren Ausgaben in absehbarer Zeit tätigen zu müssen, schlug er die Halbierung des jährlichen Abteilungsbeitrages vor. Die Aktiven waren von diesem Vorschlag so überrascht, dass man nach kurzer Diskussion den Antrag annahm.

Dass innerhalb der Gruppe Harmonie herrscht und man auf Kontinuität setzt, zeigte sich dann daran, dass sowohl der Abteilungsleiter Wolfgang Olbrich, als auch Kassierer Manfred Helten einstimmig in ihren Ämtern bestätigt wurden. Allerdings kam im Anschluss daran die Frage auf, ob die Beitragssenkung vom Kassierer nur aus wahltaktischen Gründen vorgeschlagen worden war.
Da Marcus Baumgarth nach zwei Jahren aus dem Amt des Kassenprüfers ausschied, wurde Pedi (Jürgen) Friedrich in dieses Amt gewählt.

Zum Abschluss stand dann die Ehrung des Sportlers des Jahres an. Zunächst musste die aus dem Vorjahr nachgeholt werden. Als Sportler des Jahres 2008 wurde Hennes (Johannes) Helten gekürt, der nach langer sportlicher Pause wird aktiv in den Sattel gestiegen war und sehr schnell gute Leistungen erzielen konnte, bis er dann von einem Pkw angefahren und schwer verletzt wurde. Dies war dann auch der Grund, warum er im letzten Jahr nicht ausgezeichnet werden konnte. Trotz dieses Unfalles hielt er während seiner langen Genesungszeit den ständigen Kontakt zu der Gruppe und trat sobald es ging wieder in die Pedalen.

Im Jahr 2009 zeichnete sich Manfred Helten aus, der auf der letztjährigen Sauerlandtour zu keiner Zeit aufgab und sich trotz des nicht optimalen Materials jeden Berg hinauf quälte.

Um die Kameradschaft in der Gruppe weiter zu festigen beschloss man bei der Ausfahrt an jedem ersten Sonntag im Monat die Gruppe nicht in zwei Leistungsklassen zu teilen, sondern die gesamte Ausfahrt gemeinsam durchzuführen, wobei die Schwächeren das Tempo vorgeben werden.
Auch wenn bereits jetzt Trainingsfahrten erfolgen, findet das offizielle Anfahren am 17.04.2010 statt, welchem vom 22.05. – 24.05.2010 die diesjährige Sauerlandtour folgt. Am 28.07.2010 erfolgt dann wieder der gemeinsame Besuche der Tour de Neuss.

Selbstverständlich sind auch weiterhin alle Radsportinteressierte herzlich eingeladen uns kennen zu lernen und anzuschließen. Denn gemeinsam macht jedes Hobby mehr Spaß.

Da lachte die Sonne

Endlich war es wieder soweit. Die Radler der DJK Germania Hoisten trafen sich am 17.04.2010 zu ihrem offiziellen Anfahren der Saison 2010. Nach dem langen und harten Winter, bei dem die Trainingskilometer nicht so herunter gespult wurden wie im letzten Jahr, ging es wieder auf die Straße. Bis auf zwei der Truppe (15.00 Uhr heißt eben nicht 15.20 Uhr) trafen sich fast alle Mitglieder der Radsportabteilung an der Matthias-Ehl-Bezirkssportanlage zu der offiziell ersten gemeinsamen Ausfahrt auf der Straße. Einige hatten den Winter mit den obligatorischen Spinningeinheiten verkürzt.

Da dieses Anfahren weniger unter dem sportlichen Aspekt steht, als vielmehr dem kameradschaftlichen Zusammenhalt der Gruppe dient, war von vornherein klar, dass sich das Tempo nach den etwas Leistungsschwächeren richten würde.

Um sich auch zukünftig in der Öffentlichkeitsarbeit präsentieren zu können, wurde zunächst das obligatorische Gruppenfoto gemacht, was um so beeindruckender wirkt, da fast alle Teilnehmer standesgemäß im Mannschaftstrikot an den Start gingen. Erfreulich war auch, dass einige Sportskameraden von benachbarten Vereinen in der Presse von dem Termin erfahren hatten und sich uns anschlossen. Dies zeigt halt, dass Sports- und Kameradschaftsgeist auch über Vereinsgrenzen hinaus möglich ist. Nachdem man sich in seiner ganzen Pracht für das Foto zur Schau gestellt hatte, fiel der Startschuss zur Einführungsrunde des Jahres. Diesmal hatte Petrus es mit uns wirklich gut gemeint. Nachdem in den letzten Jahren die Gefahr eines Sonnenbrandes gegen Null ging und man in einigen Jahren eher Angst haben musste, dass einem Schwimmhäute wuchsen, strahlte diesmal die Sonne mit den Radaktiven um die Wette. Bei herrlichsten Sonnenschein, und Unglaublicherweise fast keinem Wind, konnte man ungestört die Runde drehen. Aufgrund der Gruppengröße und den in der Sonne strahlenden Trikots war man ein wirklicher Blickfang, dem erstaunte, nein bewundernde Blicke hinterher geworfen wurden.

Nach Rund 40 Kilometern und, wie sollte es anders sein, zwei Platten, kehrt man zurück in die heimatlichen Gefilde, wo man den Tag in gemütlicher Runde bei ein paar kühlen Getränken und stärkenden Würstchen ausklingen ließ.

Nach diesem Auftakt nach Maß starten nun alle voller Ungeduld in die neue Saison und ein Teil der Truppe beginnt ihr Training für die zweite Sauerlandtour an den Pfingsttagen. Ein ausführlicher Bericht hierüber wird demnächst hier folgen.

Durch das wilde Sauerland
Ein Tatsachen und Augenzeugenbericht

Hoisten / Calle Da standen wir also wieder. Mit durch viele Trainingskilometern gestählten Wadenmuskeln war ein Teil der Hoistener Radsportabteilung angetreten, wieder in das letztjährig auserkorene Trainingsgebiet im Sauerland zu fahren, um sich auf die anstehende Saison im Höhentraining vorzubereiten. Der Tag begann damit, die Räder in den Anhänger zu verladen, um anschließend gemäß der alten Weisheit, „ohne Mampf kein Kampf“ oder besser, „ohne Kohlenhydrate keine Kilometer“, ein gemeinsames Frühstück bei unserem Sportwart Norbert Klerings einzunehmen. So gestärkt und mit vielen Heldengeschichten aus dem Vorjahr motiviert, ging es in die Mittelgebirgswelt. Die Wetterprognose für das Pfingstwochenende war gut und sollte Recht behalten. Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir in unserem Trainingscamp, dem aus dem letzten Jahr bereits bekannten und geschätzten Landgasthaus Grewen Mühle in Calle bei Meschede an. In kürzester Zeit waren die Zimmer belegt, wir Radler umgezogen und die Räder aus dem Anhänger ausgeladen. So bestens vorbereitet, starteten wir gegen 12. 00 Uhr, um wieder den Kampf den tückischen Steigungen des Sauerlandes aufzunehmen.

Nach einem kurzen Einrollen erklomm man den bereits aus dem Vorjahr bekannt Hirschberg mit seiner ersten 8 km langen Steigung. Von dort schlug man dann in rasanter Abfahrt auf ruhigen Nebenstraßen den Weg in Richtung des bekannten Segler- und Wassersportparadieses Möhnesee ein, der zum Teil umrundet und überquert wurde, um dann wieder Höhenmeter zu machen. Von dort sollte der Weg die Radler in Richtung Arnsberg führen. Alle Radler? Nein, unser Sportskamerad Peter erlitt leider einen technischen Defekt am Vorderrad, der nicht repariert werden konnte. Was also an einer einsamen Kreuzung Mitten im schönen Sauerland tun? Der heimische Gasthof war weit entfernt und wir nicht mit einem Begleitfahrzeug ausgestattet. Man muss aber halt auch mal Glück im Unglück haben. Der Defekt war direkt an einer Haltestelle für ein Anrufsammeltaxi passiert. Also, schnell die angeschlagene Nummer der Zentrale anrufen, ein Taxi bestellen und den Sportler samt Rad ins Quartier verfrachten. Gedacht – versucht. Aber so schnell ging es dann doch nicht. Zunächst hatten einige Handys keinen Netzempfang. Schließlich erreichte man aber doch die Zentrale. Wer jedoch glaubte, jetzt sei alles klar, ging fehl in seiner Annahme. Auf die Frage, wo man denn sei, nannte man zuversichtlich den ebenfalls angeschlagenen Namen der Haltestelle. Zur großen Überraschung konnte die Dame am Telefon damit überhaupt nichts anfangen und so dauerte es doch eine Weile, bis man ihr klar machen konnte, wo man stand und eine Abholung des gestrandeten Radlers samt seines Sportgerätes gesichert war. Da eine Reparatur des Vorderrades nicht möglich war und zu diesem Zeitpunkt bereits alle Fahrradläden geschlossen hatten, stand die Befürchtung im Raume oder besser im Walde, dass zumindest für einen die Tour bereits am ersten Tage zu Ende sein könnte. Hier zeigte sich aber der kameradschaftliche Zusammenhalt in der Gruppe. Da unser Sportskamerad Christopher am Abend wieder abreisen musste, erklärte er sich spontan bereit sein Vorderrad da zu lassen und es dem Gestrandeten für die restlichen Tage zur Verfügung zu stellen. Hier zeigt sich mal wieder der Segen der technischen Normung.

Die Gruppe konnte also unbekümmert weiterrollen und allmählich machte sich der kleine Hunger bemerkbar. Da für die Leckermäuler in der Gruppe, also eigentlich alle, die Müsliriegel nicht der Weisheit letzter Schluss sind, kam man sehr schnell überein, in einem kleinen Gasthof in Hellerfeld einzukehren. Bei strahlendem Sonnenschein stärkte man sich hier im Biergarten mit selbst gebackenen Kuchen und frischen Waffeln mit Eis, heißen Kirschen und Sahne. So mit neuer Energie versorgt, ging es wieder auf die Strecke, und was für eine. Zunächst freute man sich über den geringen Autoverkehr auf den Nebenstraßen. Aber bekanntlich ist nicht immer alles Gold was glänzt. Zunächst hatte man die Erfahrungen aus dem letzten Jahr verdrängt, dass je enger die Straße ist, diese auch umso steiler wird. Man mühte sich also wieder die Berge hinauf und hoffte nach jeder Kehre, dass doch endlich die Kuppe erreicht sei, was natürlich nicht der Fall war. Darüber hinaus machte sich dann der Fluch der Technik, das schöne Wetter und das verlängerte Wochenende bemerkbar. Auf den schönen ruhigen Nebenstraßen fuhren permanent die gleichen Motorräder lärmend und stinkend den Berg rauf und runter. Nach der vierten, fünften Begegnung machten sich dann unter einigen Radfreunden die ersten Gewaltphantasien breit und es wurden Überlegungen angestellt, ob man nicht etwas Öl in der Kurve ausschütten oder ein Stahlseil über die Straße spannen sollte. Natürlich taten wird es nicht, wobei nicht ganz klar ist, ob dies aus Vernunftgründen unterblieb oder auf die Tatsache zurück zu führen war, dass wir kein Öl und kein Stahlseil mit hatten.

Bei all den Mühen machten sich nach einer Weile bei einigen die ersten Selbstzweifel bemerkbar. Norbert schimpfte in seiner bekannten Manier darüber, dass er trotz seiner intensiven Vorbereitung die Berge so schlecht hoch käme. Dabei konnten die unvoreingenommenen Begleiter ihm nur attestieren, dass er im Vergleich zum Vorjahr wesentlich besser fuhr. Bei einigen anderen stellte sich die Frage, ob sie am nächsten Tag noch fahren sollten. Um es vorweg zu nehmen, natürlich fuhren sie.

Wir Rheinländer, die gelegentlich vielleicht ein klein wenig zu einer blumigen Sprache und leichten Übertreibungen zwecks der besseren Veranschaulichung eines Sachverhaltes neigen, konnten wieder feststellen, dass der Sauerländer als Westfale wohl eher ein etwas nüchternerer Mensch ist und zu Untertreibungen neigt. Anders kann man sich das Hinweisschild „Vorsicht Straßenschäden“ auf der Bergkuppe unmittel vor der Abfahrt nicht erklären. Bei der Abfahrt mussten wir feststellen, dass die Straße eigentlich nur ein großer Schaden war. Ohne rheinländische Übertreibung kann man sagen, dass die Straße mit Schlaglöchern übersäht war, die so groß und tief waren, dass wir befürchteten mit den Fahrrädern hinein zu fallen und dort heraus von der Bergrettung hätten geborgen werden müssen. Nur dank unserer fahrerischen Fertigkeiten, konnten wir den Einsatz der Rettungskräfte vermeiden.

Nach 82,34 km und 1.250 Höhenmetern kehrten dann alle Hoistener Radler unversehrt und mit der eigenen Leistung zufrieden ins Basislager zurück und wurden dort auf der Terrasse in der Sonne sitzend von unserem gestrandeten Peter und dem am Nachmittag angereisten Andreas empfangen. Zunächst standen die Regenration und der Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes mit rezeptfreien und zugelassenen isotonischen Getränken auf dem Stundenplan. Wir hielten uns selbstverständlich an die von unserem Mannschaftsarzt Christopher vorgegebene Dosierung („So lange ihr noch reden könnt, ist alles gut.“). Nach der darauf folgenden ausgedehnten Körperpflege wurden wir wieder von der sehr guten Küche des Hauses verwöhnt. Für unsere Bayernfans verlief der Abend allerdings nicht so wie erhofft. Nach einem wirklich nicht guten Spiel, verloren diese gegen Mailand mit 2 : 0.

Am nächsten Morgen zeigte der erste Blick aus dem Fenster Nebel, so dass sich den Radlern zunächst die Frauenfrage stellte: Was soll man anziehen? Allerdings brach während des ausgedehnten und reichhaltigen Frühstücks die Sonne durch und vertrieb sehr schnell die Kälte und Nässe der Nacht.

Nachdem mit dem Verstauen der Wegverpflegung in den Trikottaschen das erste aus dem letzten Jahr bekannte Problem gelöst war, ging es zunächst über sanfte Steigungen und Hochebenen in Richtung Eslohe, um dort wie im Vorjahr in den Sauerlandradring einzusteigen. Nach einigen Kilometern über gut ausgebaute Radwege bzw. die stillgelegte Bahnstrecke entschloss man sich, um allen sportlich gerecht zu werden, zwei Gruppen zu bilden. Zunächst ging es auf dem Radring weiter, bis man in Fleckenberg den Punkt erreichte, wo die Beschilderung mehr als zweideutig ist und es wieder unklar war, wo eigentlich der Radweg weiterführen soll. Diesmal entschied man sich für eine andere Variante wie im letzten Jahr und hatte natürlich eine von den berüchtigten schmalen Straßen erwischt. Nach einem kurzen, recht heftigen Anstieg sah man in der Ferne die Straße vermeintlich über eine Ebene verlaufen. Anscheinend handelt es sich jedoch bei den Sauerländern um ein gemeines Bergvolk. Flachländern wie uns, will es einfach nicht einleuchten, warum man eine Straße unmittelbar am Waldrand, verborgen durch Bäume und Sträucher, nach links abknicken lassen und über viele Kilometer über den höchsten Punkt eines Berges führen muss. Doch das Hadern nützte nichts, also kräftig und gleichmäßig in die Pedalen treten, den runden Tritt suchen und nicht darüber nachdenken. In der Steigung taucht dann noch ein Paar auf Rädern vor uns auf. Was tun? Dahinter bleiben, oder die Ehre der DJK Germania Hoisten hoch halten und überholen? Natürlich setzt sich dummerweise wie immer der Ehrgeiz durch und man kämpft sich ran. Jetzt bloß keine Schwäche zeigen. Lächeln, tief Luft holen und beim Überholen ein paar aufmunternde Worte zuwerfen. So ein Quatsch, warum soll man eigentlich den Gegner auch noch motivieren? Aber was soll, schließlich ist man Sportsmann. Nachdem man wieder aus Hörweite ist, kann man schließlich wieder anfangen zu schnaufen, vor sich hin zu schimpfen und die Gesichtszüge entgleisen zu lassen. Nach quälenden Kilometern und langsamer Fahrt erreicht man schließlich doch den Scheitelpunkt der Straße und kann sich eine kleine Rast und Stärkung gönnen. Augenscheinlich wollen die Sauerländer jedoch ihre Gäste verhöhnen. Als Gipfel der Unverschämtheit stelle die oben am Berg ein Schild mit der Aufschrift: „Erholungsgebiet! Bitte langsam fahren“ auf. Was glauben die eigentlich, was wir bis dahin gemacht haben?

Nachdem sich die Gruppe wieder gesammelt und die Rast beendet ist, geht es in einer wohlverdienten rasanten Abfahrt weiter in Richtung Aue und Bad Berleburg. Auf dem Weg dorthin treffen wir wieder auf eine der schon bekannten westfälischen Untertreibung. Auf einem Hinweisschild ist vermerkt, dass die Straße wegen Bauarbeiten gesperrt sei. Eine gesperrte Straße ist nun mal bekanntermaßen kein Hindernis für ein Fahrrad. Schließlich gibt es immer ein Durchkommen auf zwei Rädern, zumal uns auch einige Motorräder entgegen kommen. Also geht es auf der ruhigen Straße mit leichtem Gegenwind durchs Tal. Womit ein Mitteleuropäer bei dem Begriff Bauarbeiten allerdings nicht rechnet, ist jedoch, dass urplötzlich ein Bauzaun und Baumaschinen die Straße versperren und schließlich die Straße einfach ganz weg ist. Dies erklärt auch, warum uns die Motorräder entgegen kamen. Diese waren auch am Schild vorbei gefahren und mussten schließlich umdrehen. Hier konnten wir aber die Überlegenheit unserer Fahrzeuge ausspielen. Also, das Rad auf die Schulter und über Stock und Stein an den Maschinen vorbei. Hoistener Radler kann schließlich nichts aufhalten.

Von Bad Berleburg ging es dann über die leider stark befahrene Bundesstraße in Richtung Winterberg zum höchsten Punkt unserer Tour auf 745 m über NN. Trotz des starken Verkehrs und einiger hupender Autos, sammelt sich die Gruppe abgekämpft am Scheitelpunkt des Bergrückens mit einem gewissen Stolz auf die eigene Leistung an einem Rastplatz. Dort trifft man auf einen einheimischen Spaziergänger, der lapidar erklärt, dass der Anstieg zu seiner „Feierabendtour“ gehöre. Was für ein unsympathischer Kerl. Die Erinnerung an diese Begegnung wird jedoch durch eine kilometerlange, kurvenreiche Abfahrt verdrängt, bei der selbst Motorräder Probleme hatten, uns zu überholen. Am Fuße angekommen, schlägt man den Weg Richtung Schmallenberg ein, wo alle den Drang verspüren, Kohlenhydrate zuzuführen. Zu diesem Zwecke wird die Terrasse einer Pizzeria in Beschlag genommen. Nach der Stärkung soll es wieder in Richtung heimatliche Gefilde gehen.

Da man die genussreiche morgendliche lange Abfahrt über Büemke nach Wenholthausen noch in guter Erinnerung hat, jedoch wenig Drang verspürt, dort wieder hinauf zu fahren, widmet sich Kalle dem Kartestudium. Nach einigen Minuten erhellt sich sein Blick und er verkündete, dass er einen Weg gefunden habe, wie man den Berg ohne große Steigungen umfahren könne. Seiner Eingebung vertrauend, nahm man die Heimfahrt in Angriff und folgte der vorgeschlagenen Route. Nach einem kleinen Schlenker in die verkehrte Richtung ging es dann in flotter Fahrt tendenziell in die richtige Richtung. Als man dann links in eine Nebenstraße einbog, hatten zwei Sportskameraden ein Déjà-vu-Erlebnis. Irgendwie kam die Erinnerung an die letztjährige 15 %ige Steigung hoch, an der sich einige der Sportskameraden „verschaltet“ hatten und absteigen mussten. Die Zufahrt zum Berg hatte eine sehr große Ähnlichkeit, allerdings fehlte das entsprechende Hinweisschild mit der Steigungsangabe. Es wurde noch gescherzt, dass man es wohl abmontiert habe, um die Radfahrer reinzulegen. Bekanntermaßen können Scherze auch im Halse stecken bleiben. Wie bereits gewohnt, knickte die Straße hinter Bäumen und Sträuchern ab und es stellte sich schlagartig das Wiedererkennen ein. Tatsächlich hatte ein Scherzbold des gemeinen Bergvolkes das Schild abmontiert, ohne allerdings auch den Berg abzutragen. Jetzt war es jedoch zu spät und es wurde die Divise ausgegeben: „Augen zu und hoch“. Soweit also zum Thema der nahezu steigungsfreien Rückfahrt. Als Ausgleich konnten die letzten Kilometer rollend und ohne große Kraftanstrengung zurückgelegt werden und man erreichte nach 139,8 km und 1.483 Höhenmetern wieder den Startpunkt. Die andere Gruppe hatte bereits einige Zeit vorher ihre Tour beendet und genoss die nachmittägliche Sonne am üblichen Treffpunkt auf der Terrasse. Aufgrund der getrennten Touren hatte man auf jeden Fall genügend Gesprächsstoff für den Abend.

Der Morgen des letzten Tourtages begann mit strahlendem Sonnenschein. Die Sonne der letzten Tage hatte aber auch ihre Spuren hinterlassen, so dass einige der Fahrer zwar nicht angebrannt rochen, jedoch leicht sonnenverbrannt in Gesicht und an Armen waren. Nach dem Frühstück war eine letzte kleinere gemeinsame Ausfahrt zum Ausrollen angesagt. Bereits in den Morgenstunden tummelten sich aufgrund des an diesem Tage stattfindenden Mühlenfestes etliche Besucher auf dem Gelände und so waren die Hoistener Radler in ihren schicken Trikots sowohl bei der Abfahrt, als auch der Rückkehr von der Tour, eine Attraktion. Die Tour führte über 34,61 km und 278 Höhenmeter nach Meschede, um den Hennestausee herum und zurück zur Grewe Mühle. Nach einer letzten Stärkung am Grillstand, ging es dann nach dem Verladen der Fahrräder in Richtung Heimat, wo man am frühen Nachmittag eintraf.

Wie in den Vorjahren auch, gab es bei allen Teilnehmern ein positives Resümee und den Wunsch auch im nächsten Jahr wieder eine gemeinsame Mehrtagestour durchzuführen.

Tourtelegramm: 256,75 km, 3.011 Höhenmeter, ein defektes Vorderrad, kein Platten, kein Sturz und Unmengen von Spaß.

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