Saison 2009

Nachdem sich die Radsportler der DJK den Winter über beim Spinning für die neue Radsaison vorbereitet und die Waden für die Ausritte auf den Rennrädern gestählt haben, ist es nun endlich soweit. Die Radsaison an der frischen Luft wird offiziell eröffnet und die Landstraße unter die Reifen genommen. Am Samstag, 28.03.2009 treffen sich die Athleten und Athletinnen um 15 Uhr an der Bezirkssportanlage Hoisten und starten zur einer gemeinsamen Tour. Im Anschluss wird das Frühjahr in gemütlicher Runde im Vereinsheim gemeinsam begrüßt. Alle interessierten Radsportler, die Gleichgesinnte suchen und überlegen sich einer Gruppe anzuschließen, sind herzlich eingeladen uns kennen zu lernen.

Wer hat denn die Straße an die Wand genagelt?
(Rudolf Scharping über den Tourmalet)

Hoisten / Calle Berge! Dieses Wort verbreitete erst einmal Schrecken unter den Hoistener Radsportlern, als bekannt gegeben wurde, wohin der Mehrtagesausflug der Radsportgruppe führen sollte. Eine erste spontane Reaktion war: „Seid ihr bekl…..?“

Aber der Reihe nach. Nachdem im letzten Jahr die erste mehrtägige Tour am Niederrhein nach Brüggen und weiter durch die Niederlande zurück in die heimischen Gefilde führte und dies von allen Teilnehmer als ein tolles Erlebnis eingestuft worden war, hatte man beschlossen eine solche Tour auch in diesem Jahr durchzuführen. Die ersten Fragen, die aufgeworfen wurden, waren: Wann, wie lange und wohin. Einigkeit herrscht schnell darin, dass es diesmal mehr als 2 Tage sein sollte. Da man aber gleichzeitig nicht zuviel Urlaub hierfür opfern wollte war auch sehr schnell klar, dass nur ein verlängertes Wochenende oder ein Feiertag mit Brückentag in Frage kamen. Die Wahl viel schließlich auf Christi Himmelfahrt, sodass man vom 21.05.2009 bis zum 23.05.2009 den Asphalt unter die Rennreifen nahm.

Bei der Wahl des Zieles wurde es dann etwas schwieriger, wobei man hier schon den Anspruch hatte, den Schwierigkeitsgrad der Veranstaltung etwas zu erhöhen. Nach diversen geheimen Besprechungen und unter Berücksichtigung eines Insider-Tipps fiel die Wahl der sportlichen Leitung schließlich auf das Sauerland, genauer gesagt auf die Gegend um Meschede. Die Bekanntgabe des Zieles löste die oben beschriebenen Reaktionen aus. Trotz dieser sportlichen Großherausforderung entschlossen sich 13 wackere Hoistener Burschen mit strammen Waden das Wagnis einzugehen und den Kampf mit den Steigungen aufzunehmen.

Es stellte sich die bange Frage, ob Petrus es in diesem Jahr mit den Radlern besser meinen sollte wie im letzten Jahr und sie diesmal von Regenschauern verschonen sollte? Die ersten Wetterprognosen ließen zunächst Schlimmes befürchten, da starker Schauer angesagt und sogar Unwetterwarnungen herausgegeben worden waren. Zu allem entschlossen traf man sich jedoch am Morgen des Himmelfahrttages beim Sportwart Norbert Klerings, wo zunächst die Räder im Anhänger verstaut wurden. Es folgte dann eine Stärkung in Form eines ausgiebigen gemeinsamen Frühstücks, bevor schließlich die Fahrt zum Teamlager angetreten wurde. Als Stützpunkt hatte man sich das kleine, auf Radfahrer und Wanderer spezialisierte Hotel „Landhof Grewen Mühle„ in Calle bei Meschede ausgesucht. Idyllisch gelegen in einer Bachniederung mit eigenem Teich ist die alte umgebaute Mühle ein Ort zum Wohlfühlen. Ein Übriges tut hierzu sicherlich die freundliche aber unaufdringliche Art der Wirtsleute, die sich als perfekte Gastgeber präsentierten.

Die Anreise verlief problemlos. Es stellte sich jedoch weiterhin die Frage, wie sich das Wetter entwickeln sollte, zumal man bei der Ankunft erfahren musste, dass es kurz vorher im Nachbartal Hagelschauer gegeben hatte. Um es aber vorweg zu nehmen, diesmal müssen wahrlich die Engel der Hoistener Radsportler gereist sein, da man an keinem Tag nass wurde und meistenteils Sonnenschein hatte. Nach der Ankunft wurden rasch die Zimmer belegt und man trat die erste gemeinsame Ausfahrt an. Idealerweise gingen die ersten Kilometer durch das Tal noch eben, bis die ersten kleineren Wellen kamen. Nachdem die Muskulatur allmählich die Betriebstemperatur erreicht hatte, kam er dann, der erste lange Anstieg stand bevor und kündigte sich mit einem Hinweis einer 8 km Steigung an. Hier musste jetzt jeder für sich selber seine Taktik zurechtlegen, wie er den Berg bezwingen und wie er seinen Kampf Mann gegen Berg entscheiden wollte. Während unser Seniorenfahrer Pedi die Variante schnell in den Berg hineinzufahren bevorzugte, wählte die meisten anderen die Variante möglichst mit konstanter Geschwindigkeit den Berg hinauf zu fahren. Nur einer wurde von der Meute gehetzt und dazu vergattert als erster am Gipfel zu sein, nämlich der arme Sportskamerad, der die Kamera dabei hatte und unter Androhung von Strafe verpflichtet worden war, die Ankunft der anderen am Berg fotografisch für die Nachwelt festzuhalten. Als Dank für seinen heldenmutigen und selbstlosen Einsatz durfte sich dieser arme ausgebeutete Kamerad im Nachhinein noch markige Sprüche anhören, dass er die CD mit den Bildern nicht schnell genug für die restlichen Teilnehmer gebrannt hatte. „Ja, Undank ist der Welten Lohn.“

Auf dieser ersten 62,4 km langen Rundtour konnten die Teilnehmer, wie in den folgenden Tagen auch immer wieder, feststellen, dass das Gute liegt so nah. Das Sauerland bot immer wieder herrlich Ausblicke in eine wundervolle Landschaft, sofern man die Kraft und Muße hatte, den Blick von der Straße und dem Tacho abzuwenden und ihn schweifen zu lassen. Eine Gesetzmäßigkeit konnte man sehr schnell feststelle. Je schmaler und ruhiger die Straßen wurden, umso giftiger wurden die Anstiege bzw. umso rasanter waren die Abfahrten. Eine weitere Gesetzmäßigkeit ist wohl, dass die Anstiege gefühlt immer doppelt so steil und mindestens dreimal so lang sind, wie die Abfahrten. Sofern die Luft dafür reichte, machte man sich gegenseitig Mut, dass die Anhöhe irgendwann einmal zu Ende sein würde und dass dann eine rasante Fahrt ins Tal auf einen warten würde. Und so wurde die Formulierung „Aber dann“ zum geflügelten Wort dieses Ausfluges. Höhepunkt der ersten Tour war dann eine ganz ruhige und schmale Nebenstraße, auf der man mit einer 15 %-igen Steigung den Berg erklomm. Dass einige Kameraden dabei vom Radfahrer zum Fußgänger wurden kann eigentlich nur an einer falschen Übersetzung am Rad gelegen haben oder mit einem Schaltfehler im Zusammenhang stehen. Warum sich einer dann aber beim Wiederaufsteigen auf das Rad entschied sich mit selbigen gleich in die Brennnesseln zu legen, konnte bisher allerdings nicht ergründet werden. Diejenigen, die sich auf dem Rad den Berg hinauf bewegten, schossen sehr schnell die Worte von Udo Bölts an Jan Ulrich in den Sinn: „Qual dich, du Sau“. Und wenn man dabei nicht so nach Luft geschnappt hätte, hätte man diese Worte auch sicherlich seinem Nebenmann zugerufen. Geht nun mal nicht alles.

Nachdem alle wohlbehalten das Hotel erreicht hatten, regenerierte man zunächst bei ein, zwei isotonischen Getränken und traf sich nach der ausgiebigen Körperpflege zum gemeinsamen Grillabend. Da Radsportler nun mal weltoffen sind und gerne fremde Kulturen kennenlernen, beschloss man sich unter die einheimische Bevölkerung zu mischen und zu schauen, wie dort der Himmelfahrtstag begangen wird. Zur völligen Überraschung aller geschieht es in den Sauerländischen Höhen mit Musik und alkoholischen Getränken. Um nicht als Außenseiter da zu stehen und den Rheinländer an sich nicht in Verruf zu bringen, ließ man sich beim Besuch einer Veranstaltung des örtlichen Gesangsvereins auf die dortigen Sitten ein. Bereits am ersten Tag machte unser Kassierer Manni eine Entdeckung, die unsere Kasse schonen und sein Herz höher schlagen lassen sollte: „Die Bierpreise!“ Sie lagen nämlich deutlich unter den unserer heimischen Gastronomie.

Der nächste Morgen begann zwar nicht mit dem ersten Hahnenschrei, dafür aber mit einem unsanften Klingeln des Weckers. Die erste bange Frage, die sich alle stellten: Hat man Muskelkater von der für uns Flachländer ungewohnten Bergetappe? Ein paar prüfende Bewegungen im Liegen, dann der Versuch aufzustehen. Schließlich die Erleichterung: Nein, keine Muskelkater. Nun die zweite bange Frage: Wie ist das Wetter? Also den Kopf aus dem Fenster gesteckt und die fachmännische Feststellung – noch etwas kühl, aber blauer Himmel.

Nachdem nun die größten Ängste beseitigt waren, ging es zum gemeinsamen ausgiebigen Frühstück, bei dem keine Wünsche offen blieben. Allerdings spürte man die prüfenden Blicke seiner Sportskameraden, die nach etwas ungelenken oder steifen Bewegungen spähten, ob nicht der eine oder andere doch Muskelkater hat. Jetzt hieß es bloß keine Schwäche zeigen, da man ansonsten zum Gespött der ganzen Truppe geworden wäre.

Mit Spannung wurde dann die Ansprache unseres Sportwartes Norbert erwartet, der das Tagesprogramm vorstellen sollte. Angesagt wurde für diesen Tag eine Runde auf dem erst im Jahr 2007 eröffneten SauerlandRadring, einem 84 km langen Rundkurs, der über Rad- und Wanderwege, Nebenstraßen und einer stillgelegten Bahnstrecke führt. Um auf den Weg zu kommen musste noch eine ca. 15 km lange Anfahrt und später auch wieder Rückfahrt bewältigt werden. Die erste Herausforderung des Tages bestand jedoch darin, dass von den Wirtsleuten vorbereitete Lunchpaket zu verstauen. Die eingepackten Müsliriegel, Banane und das Schnitzel stellten noch kein Problem dar. Wie verstaut man allerdings einen Joghurtbecher in der Rückentasche des Trikots, ohne Gefahr zu laufen, dass der Joghurt früher oder später den Rücken herunter läuft. Die Lösung war letztlich ganz einfach, man nimmt ihn erst gar nicht mit. Nachdem dieses Problem also gelöst war, ging es dann auch gleich los. Nach wenigen hundert Metern im Tal kam dass, was unweigerlich kommen musste. Die erste langgezogene Steigung, an der sich das Fahrerfeld etwas in die Länge zog. Nachdem die Höhe erklommen war, entschädigte diese mit einem tollen Blick in die Mittelgebirgswelt und es folgte zur Freude aller eine langgezogene rasante Abfahrt. Im Tal wieder angekommen musste jedoch einer die Bemerkung fallen lassen, dass man diese Abfahrt auf dem Rückweg wieder hinauf müsse. Warum hat dem eigentlich niemand gesagt, dass Reden Silber und Schweigen manchmal Gold ist? Der Einstieg in den Rundkurs gestaltete sich dann sehr problemlos und die ersten Kilometer führten über gut ausgebaute Radwege auf die frisch asphaltierte alte Bahnstrecke, die sich abseits der Straße durch eine ruhige Landschaft schlängelt. Hier ergab sich auch eine nette Begegnung mit einer Radsportgruppe von Kindern mit deren beiden (nach einhelliger Meinung aller: gut aussehenden) Betreuerinnen. Beim Überholen der Gruppe durch die Hoistener Radsportler, wurden wir sehr freundlich begrüßt. Als dann ein wenig später bei einer Rast die Kindergruppe an uns vorbei fuhr, konnte wir es uns nicht nehmen lassen, diese mit einer La Ola Welle auf beiden Seiten des Weges zu grüßen, was diesen auch sichtlich Spaß machte und wofür sie sich beim späteren erneuten Überholen durch uns revanchierten. Danach haben wir dann leider die Gruppe bzw. Betreuerinnen nicht mehr gesehen.

Entgegen der Ankündigung, dass der Weg fasst durchgehend asphaltiert ist, mussten wir feststellen, dass es doch einige größere Teilstücke gibt, die über Wald- und Schotterwege führen und für Rennräder ungeeignet sind. Von daher musste man doch immer wieder auf die Straße ausweichen, was uns letztlich veranlasst, die Strecke etwas abzuwandeln und abzukürzen. Das Wetter sollte uns jedoch holt bleiben. Zwar waren immer wieder dunkle Wolken zu sehen und man kam auf Straßenabschnitte, die vom Regen nass waren, man selber blieb aber vom Regen verschont. Da alle Mann in voller Kriegsbemalung, besser gesagt im kompletten Hoistener Trikot unterwegs waren, fiel man in dieser großen Gruppe doch auf und wurde auch mehrfach beklatscht. Tja, so viele schöne Männer auf einem Haufen gibt es halt selten zu sehen.

Am frühen Nachmittag forderten die Kilometer ihren Tribut und die Energiespeicher mussten wieder aufgeladen werden. Womit kann man dies besser tun, wie mit Kaffee und Kuchen. Gesagt, getan. Man kehrte in ein Straßencafé ein und stärkte sich mit Erdbeerkuchen und Nusstorte. Nach der Rückkehr ins Hotel regenerierte man wie am Vortag mit ein, zwei isotonischen Getränken. Am Ende des Tages zeigte der Tacho 100,62 Tageskilometer und 1.272 Höhenmeter an. Das Abendmenü ließ wieder keine Wünsche offen und der Abend klang in geselliger Runde aus.

Der Morgen des dritten Tages begann wieder mit den bereits bekannten zwei bangen Fragen. Erfreulicherweise konnte beide Fragen in der gleichen Weise beantwortet werden, wie am Vortag. Das Wetter begrüßte uns wieder mit strahlend blauem Himmel und alle versicherten glaubhaft, keinen Muskelkater zu verspüren. Nach dem stärkenden Frühstück rüstete man sich zur letzten gemeinsamen Ausfahrt über die Höhen des Sauerlandes. Da es gleichzeitig der Abreisetag war, wurde eine kürzere Strecke in Angriff genommen. Es ging wieder über ruhige Nebenstraßen durch verschiedenste kleine, fast verschlafene Dörfer, wobei man wieder feststellen konnte, dass anscheinend jeder Ort mit mehr als drei Häusern eine eigene Schützenhalle hat. Die Rundstrecke führt uns u.a. auch an der Veltins-Brauerei vorbei, die, wie wir zu unserem Leidwesen feststellen mussten, an einer recht knackigen Steigung liegt und man sich dort eigentlich eine kühles Blondes verdient hätte. Wie es sich jedoch für Sportler gehört, verzichteten wir auf diese Erfrischung. Dieser Steigung schlossen sich dann noch einige steile Passagen und rasante Abfahrten an. Bei der Rückkehr zum Hotel schlugen dann auch wieder 41,13 km und 674 Höhenmeter für die Statistik zu Buche.

Nachdem die Räder wieder im Anhänger verstaut waren, verlief die Fahrt zurück in die heimischen Gefilde ruhig und ganz entspannt.

Wie im Vorjahr fiel das Resümee bei allen wieder sehr positiv aus. Es hatte diesmal wirklich alles gestimmt; Wetter, Unterbringung, Touren und die Stimmung in der Truppe, sodass einer Wiederholung nichts im Wege steht. Und wer weiß, man braucht schließlich immer wieder neue Herausforderungen, auch die Alpen haben einige Reize zu bieten.

Tourtelegramm: 204,15 km, 2.847 Höhenmeter, zwei Umfaller, kein Platten und jede Menge Spaß

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